Volkswagen in Wrzesnia: Der Crafter bekommt sein eigenes Werk in Polen

Nur Crafter sollen in dem neuen Volkswagen-Werk in der polnischen Kleinstadt Wrzesnia gebaut werden. Maximal 100.000 Stück des VW Crafter sollen hier pro Jahr vom Band rollen, wenn die Produktion hochgelaufen ist und der Markt es verlangt. 3.000 Mitarbeiter werden dann hier beschäftigt sein, jeder zweite davon aus Wrzesnia. Der neue Crafter kann sich also der Aufmerksamkeit dieser Region sicher sein.

Rund 800 Millionen Euro investierte Volkswagen in die neue Fabrik, die in Rekordzeit von 23 Monaten auf rund 220 Hektar oder 2,2 Quadratkilometern aus dem Boden gestampft wurde. Normalerweise braucht man für ein Werk 30 Monate, betonten die Verantwortlichen bei der Eröffnungsfeier. Der Planungsprozess dauerte allerdings länger. Jens Ocksen berichtet von fünf Jahren. Er begann also zu einer Zeit, als öffentlich noch nicht über eine Trennung der Produktion des Volkswagen-Transporters des Segments C/D von der Produktion des Mercedes-Benz Sprinter gesprochen wurde.

Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia

Mit den Trennung vom Produktionspartner war die Entscheidung für eine neue Fabrik fast zwangsläufig. Dr. Eckhard Scholz, Chef von Volkswagen Nutzfahrzeugen, verwies darauf, dass in kein Volkswagen-Werk ein Fahrzeug mit einer maximalen Länge von 7,50 Metern gepasst hätte. Der Werksneubau bot auch die Chance, eine für eine Nutzfahrzeug-Herstellung ungewöhnlich effiziente Herstellung aufzubauen. Von 65 Prozent Automatisierungsgrad ist die Rede. Ocksen nannte das neue Werk ein Labor für die Nutzfahrzeug-Herstellung der Zukunft.

Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia

Im kommenden Jahr soll das Werk so weit hochfahren, dass alle 67 Derivate des Crafter gebaut werden können. Es geht also nicht nur um die vier Grundmodelle, drei Längen und drei Höhen. Scholz sagte voraus, dass 70 Prozent aller Crafter für spezifische Zwecke der Kunden umgebaut werden, im Werk oder bei Aufbauherstellern.

Für das kommende Jahr erwarten die Verantwortlichen eine Produktion zwischen 50.000 und 60.000 Fahrzeugen. Ende des Jahres sollen die Mitarbeiter für eine zweite Schicht eingestellt werden. Eine dritte Schicht soll nach Bedarf folgen. Bei voller Auslastung sollen die besagten 100.000 Fahrzeuge vom Band laufen, 17 pro Stunde, 380 am Tag. Auch damit muss noch nicht Schluss sein. 400.000 Quadratmeter Reservefläche stehen zur Verfügung.

Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia

Auch die Reserveflächen sind Ausdruck der Hoffnung, dass der neue Crafter des C/D-Segment der Transporter aufmischen wird. Andreas Rentschler, seit Anfang 2015 Chef der Truck- und Bus-Sparte bei Volkswagen sieht eine wachsende Nachfrage in diesem Markt und hält den Crafter selbstverständlich für genau die Antwort, die der Markt erwartet hat. In der Tat sprechen auch technische Gründe für diesen Optimismus.

VW Crafter

Der Crafter wird mit Front-, Heck- und dem Allradantrieb 4Motion angeboten. Sein für den Transporter überarbeiteter Diesel wird in drei Leistungsstufen von 75 kW / 102 PS, 90 kW / 122 PS und 103 kW / 140 PS erhältlich sein. Wem das noch nicht reicht, der kann den Biturbo mit 130 kW / 177 PS ordern. Handschaltung oder Automatik stehen ebenso zur Wahl wie eine – für Transporter ungewöhnlich breite – Auswahl an Fahrer-Assistenzsystemen. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei erstaunlichen 0,33. Der Crafter bewegt sich also auch in dieser Beziehung auf einem für Nutzfahrzeuge ungewöhnlichen Niveau. Obendrauf hat eine Jury nun auch noch die Auszeichnung als „International Van of the Year“ gesetzt. Wrzesnia und Volkswagen Nutzfahrzeuge können sich also wohl zu recht auf gute Zeiten freuen. (ampnet/Sm)

Bildquelle

  • Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia: Volkswagen
  • Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia: Peter Schwerdtmann
  • Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia: Peter Schwerdtmann
  • Produktion des VW Crafter im polnischen Wrzesnia: Volkswagen

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