Fahrbericht Nissan Micra 2017: Crossover-Style

Weg mit dem Kindchen-Schema, der Nissan Micra 2017 ist erwachsen geworden. Mit fast vier Meter misst der Kleinwagen sich nun mit den Größen im Segment. Bei Technik und Ausstattung übertrifft er sie sogar. Ende März startet der Micra, zu Preisen ab 12.990 Euro.

Der Name ist geblieben, doch das Auto ist nicht wieder zu erkennen. Seit Anfang der 1990er-Jahre fuhr der Micra das Kindchenschema, erfreute mit Babyface-Rundungen, Lächel-Grill und Kulleraugen-Scheinwerfer die vorwiegend weibliche Kundschaft. Die jedoch wollte zuletzt auch nicht mehr so richtig zugreifen, wie die stetig nachlassenden Absatzzahlen belegen. Bei der fünften Generation des Kleinwagen-Klassikers, die Ende März zu den deutschen Händler rollt, wechselt Nissan die Strategie. Das Crossover-Konzept, das die Japaner vor genau zehn Jahren mit dem Qashqai begonnen und mit Juke und X-Trail so erfolgreich fortgesetzt haben, soll nun auch den Micra in der heiß umkämpften Kleinwagen-Klasse um Polo, Corsa & Co. wieder nach vorne bringen.

Der neue Nissan Micra 2017

Schon auf den ersten Blick ist die „radikale Micramorphose“, wie Nissans Marketing blümelt, zu sehen. War die letzte Generation noch als unterschiedloses Weltauto konzipiert, wurde der neue Nissan Micra konsequent für europäische Kunden entwickelt. Um volle siebzehn Zentimeter auf 3,99 Meter gewachsen, streckt sich der kleine Japaner nun exakt auf Polo-Maß. Auch steht er gegenüber dem Vorgänger acht Zentimeter breiter und sechs Zentimeter flacher auf der Straße. Und statt niedlicher Rundungen prägen nun scharfe Kanten und Linien die Karosserie. Vor allem die Front fällt auf, mit kräftig konturierter Haube, die nach vorne in den V-förmigen Grill abfließt und von spitzwinkligen, in die Kotflügel integrierten Scheinwerfern flankiert wird.

Auch in der Seitenansicht wölbt sich das Blech des Nissan Micra in dynamischen Schwüngen, wobei hier die abfallende Dachlinie mit integriertem Spoiler sogar eine leicht coupéhafte Silhouette formt, unterstützt durch das nach oben abknickende Seitenfenster und die schwarz abgesetzte C-Säule. Darin verstecken sich die Klappgriffe der Fondtüren, die das ausschließlich als Fünftürer entwickelte Fließheckmodell wie einen Dreitürer aussehen lassen. Das Heck schließlich wird von einer scharfen Abrisskante und Bumerang-Rückleuchten dominiert.

Fahrbericht Nissan Micra 2017

Zehn verschiedenen Lackierungen bringen Farbe ins Spiel, ohne die ein Kleinwagen heute kaum mehr zu verkaufen wäre. Dazu noch vier Styling-Pakete mit kontrastierenden Farbtönen für Spiegelkappen, Seitenschwellern, Front- und Heckstoßfänger sowie Akzent-, Teil- und Vollfolierungen für Haube, Dach und Flanken – schon ergeben sich über 100 verschiedene Möglichkeiten, mit denen jeder seinen individuellen Micra gestalten kann.

Fahrbericht Nissan Micra 2017

Innenraum Nissan Micra 2017

Die bunte Vielfalt setzt sich im Innenraum des Nissan Micra fort. Auch Instrumententräger, Sitze und Verkleidungen lassen sich je nach Ausstattung mit Interieurpaketen farblich aufpeppen. Das Cockpit gefällt mit einem handlichen, unten abgeflachten Lenkrad sowie kompakt und übersichtlich geordneten Instrumenten. Ab der mittleren Ausstattung Acenta zeigt ein fünf Zoll großes TFT-Display im Kombiinstrument per Tastendruck Bordinfos, über ein Sieben-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole lassen sich Klima- und Audioanlage sowie Navigation und Smartphone steuern.

Nissan Micra 2017 Innenraum

Der auf europäische Verhältnisse zugeschnittene Micra macht ordentlich Platz – wenn auch nicht ganz so viel wie erwartet. Denn anders als die Karosserie ist der Radstand nur um 7,5 Zentimeter gestreckt worden. Dennoch hat man am Lenkrad nie das Gefühl, in einem Kleinwagen zu sitzen und auch auf den Fondplätzen dürfen sich wenigstens zwei Erwachsene über reichlich Schulter- und Kniefreiheit freuen. Dazu kommt ein 300 Liter großer Kofferraum, der durch Umlegen der Rücksitzlehen wenn auch nicht ganz eben, auf 1.004 Liter verdreifacht werden kann.

Preise und Ausstattung Nissan Micra 2017

Mehr noch als die neue Größe des kleinen Japaners aber erstaunt die technische Ausstattung, die er von seinen großen Brüdern Nissan Qashqai und Juke erbt. So fährt der Micra als erster Kleinwagen mit einem Around-View-Monitor (500 -1.000 Euro), der den Wagen in 360-Grad-Rundumsicht aus der Vogelperspektive zeigt. Und auch der korrigierende Bremseingriff beim unbeabsichtigten Verlassen der Fahrspur ist so bislang nur in höheren Klassen zu haben.

Überhaupt kann sich die Sicherheitsausstattung sehen lassen. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Systemen wie ESP, ABS und Reifendruckkontrolle gehören sechs Airbags, ein Notbremsassistent mit Kollisionswarner, eine Berganfahrhilfe, automatisches Fahrlicht und Warnblinker bei Notbremsungen immer zur Serie. In höheren Ausstattungen oder optional gesellen sich neben den bereits genannten ein Totwinkel- und Fernlichtassistent, Notbremssystem mit Fußgängererkennung, Rückfahrkamera inklusive Parksensoren sowie eine Verkehrszeichenerkennung.

Der neue Nissan Micra 2017

Aber auch bei der Komfortausstattung kann der kleine Japaner mit einer für seine Klasse ungewöhnlich hochwertigen Technologie aufwarten. Zusammen mit Bose hat Nissan exklusiv für den Micra ein so genanntes Personal Sound System entwickelt. Dabei stecken in der Kopfstütze zwei Lautsprecher, die den Fahrer in eine Audiowolke mit verschiedenen Stereoeffekten hüllen. Der Beifahrer bekommt davon nichts mit. Sehr pfiffig, sehr effektiv, wenn auch leider nur in der Topversion Tekna zu haben.

Angesichts soviel neuer Technik wundert es schon fast, dass Nissan bei den Motoren nur auf Bewährtes zurückgreift. Zum Marktstart Ende März stehen gerade mal ein Dreizylinder-Benziner mit 898 Kubikzentimeter Hubraum sowie ein Vierzylinderdiesel mit 1,5 Liter Hubraum bereit. Beide Motoren stammen von Renault, leisten 90 PS und sind nur mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Wobei der 1.5 dCi-Diesel mit seinen 220 Nm Drehmoment ab 200 Touren noch den kräftigsten und stimmigsten Eindruck hinterlässt. Auch wenn der Selbstzünder mit 11,9 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 179 km/h Topspeed kaum schneller als der kleine Turbo-Benziner ist. Der 0.9 IG-T, von dem sich Nissan hierzulande mit rund 70 Prozent den Löwenanteil am Verkauf erwartet, knurrt recht munter drauf los und schwimmt im Stadtverkehr flott mit, will mit seinen 140 Nm Drehmoment allerdings auch fleißiger geschaltet werden als der Selbstzünder. Im Laufe des Jahres soll dann erst das Einsteigermodell mit dem Einliter-Dreizylinder ohne Turboaufladung und 73 PS Leistung folgen.

Fahrbericht Nissan Micra 2017

Erst dann gilt auch der Basispreis von 12.990 Euro. Mit den beiden Turbomotoren ist der neue Nissan Micra nicht unter 15.790 Euro zu haben, immerhin dann auch schon in der zweiten von fünf Ausstattungsversionen Visia Plus mit Klima- und Audioanlage. Der Diesel kostet immer jeweils 2.000 Euro mehr, startet jedoch auch schon in der Basisversion ohne Klima und Radio ab 16.190 Euro. Zu empfehlen ist die mittlere Ausstattung Acenta (ab 17.190 Euro) mit Sieben-Zoll-Farbmonitor mit Touchscreen, Bluetooth-Schnittstelle und Smartphone-Anbindung (nur iPhone), Bordcomputer mit 5-Zoll-TFT-Farbdisplay, Tempomat mit –begrenzer. Geradezu luxuriös wird es in den weiteren Ausstattungen N-Connecta (ab 18.590 Euro) mit Klimaautomatik, Navigationssystem, schlüsselloses Öffne und Starten und 16-Zoll-Alufelgen sowie in der Topversion Tekna, zusätzlich mit 17-Zoll-Alus, Sitzheizung, ein komplettes Sicherheits- und Assistenzpaket inklusive Rückfahrkamera und dem Bose Personal Soundsystem ab 19.990 Euro.

Technische Daten Nissan Micra 0.9 IG-T

Länge x Breite x Höhe (m): 3,99 x 1,73 x 1,46
Radstand (m): 2.53
Motor: 3-Zylinder-Turbobenziner, 899 ccm
Leistung: 66 kW / 90 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment: 140 Nm bei 2.250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 12,1 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 4,4 – 4,8 Liter
CO2-Emissionen: 99 – 107 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: min. 1.053 kg / k.A.
Kofferraumvolumen: 300 Liter
Anhängelast gebr./ungebr.:1.200 / 525 kg
Bereifung: 195/55 R 16
Basispreis: 15.790 Euro

Im Test: Nissan Micra 2017

Bildquelle

  • Der neue Nissan Micra 2017: NIssan
  • Fahrbericht Nissan Micra 2017: Nissan
  • Fahrbericht Nissan Micra 2017: Nissan
  • Nissan Micra 2017 Innenraum: Nissan
  • Der neue Nissan Micra 2017: Nissan
  • Fahrbericht Nissan Micra 2017: Nissan
  • Im Test: Nissan Micra 2017: Nissan
  • Im Test: Nissan Micra 2017: Nissan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.