Fahrbericht John Cooper Works Countryman

Wem es auf die Größe ankommt, der ist beim Countryman genau richtig. In Sachen Mini repräsentiert er das vorläufige Maximum. Stolze 4,30 Meter ist das Auto lang. Bei der Leistung muss sich das selbsternannte SUV der Marke den Spitzenplatz jedoch mit anderen teilen. Wo John Cooper Works draufsteht, sind immer 170 kW / 231 PS drin.

Die maximale Größe beim Mini sollte schon deshalb als vorläufig betrachtet werden, da man ja nie weiß, was die nächste Generation bringt. Bislang ist das britische Kultmobil mit jedem Modellwechsel ein Stück weiter gewachsen. Die sportliche Endstufe unter dem JCW-Label hat gegenüber dem Vorgänger beim Motor ebenfalls zugelegt, jetzt sind es 0,4 Liter Hubraum und 13 Pferdestärken mehr. Zuwachs auch beim Kofferraum: 17 cm mehr Außenlänge brachten glatte 100 Liter mehr.

Das zusätzliche Zylindervolumen kommt vor allem der Durchzugskraft zugute. Von vormals 280 Newtonmeter (mit Overboost-Funktion 300) stieg es auf 350 Nm und es steht bereits ab 1.450 Umdrehungen zur Verfügung. Wer es darauf anlegt, kann nunmehr eine halbe Sekunde schneller auf 100 Stundenkilometer sprinten, von 6,5 Sekunden – gemessen sowohl für den Handschalter als auch für die Acht-Gang-Automatik – spricht das Datenblatt. Die Höchstgeschwindigkeit stieg von 225 auf 234 km/h.

Fahrbericht John Cooper Works Countryman

Fahrer der JCW-Generationen mit ausschließlichem Vorderradantrieb erinnern sich noch mit Grausen an die fehlgeschlagenen Versuche, die schon damals mehr als 200 PS zuverlässig auf die Straße zu bringen. Der ALL4-Antrieb ist da ein Segen, wenngleich unter gewissen Bedingungen ein Antriebseinfluss auf die Lenkung nicht ganz wegzudiskutieren ist. In den meisten Fahrsituationen gibt es aber keine Traktionsprobleme und wenn an der Vorderachse nicht genügend Grip zu generieren ist, lenkt die Elektronik 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse.

Das funktioniert auf nasser Straße oder anfrierendem Untergrund, auf Schotter und im Matsch so gut, dass man sich wünscht, die Bodenfreiheit wäre größer als 165 Millimeter. Das würde nämlich nicht nur den SUV-Charakter des Countrymans steigern, sondern auch Ausflüge in Geländeregionen erlauben, die für andere tabu sind. Hier und da noch ein bisschen Plastik-Beplankung und vielleicht ein Unterbodenschutz – fertig wäre der Mountain-Man.

Im Test: John Cooper Works Countryman

Die Chance auf Realisierung derartiger Träumereien dürften aber sehr gering sein, denn die Tedenz geht eher in die entgegengesetzte Richtung. Das Mini-Angebot wurde verschlankt, Coupé und Roadster bleiben auf der Strecke, ebenso das zweitürige Pendant zum Countryman, der Paceman. Geblieben sind sportliches Outfit, dynamisches Fahrwerk und eine Extraportion Leistung für die JCW-Derivate. Zu den Neuerungen gehört die gemeinsam mit Brembo entwickelte Sport-Bremsanlage, deren lackierte Sättel serienmäßig durch 18-Zoll große Leichtmetallfelgen schimmern. Optional sind 19-Zöller erhältlich.

Als Rallyeautos sind die ersten Produkte der John-Cooper-Works-Manufaktur gestartet und an Rallye-Streifen auf der speziellen Lackierung sind die Fahrzeuge heute noch zu erkennen. Der Countryman erhielt zusätzlich ein Aerodynamik-Kit mit besonders großen Lufteinlässen vorn. Das Interieur ist ebenfalls modellspezifisch verändert. Auffälligstes Merkmal sind die bequemen und seitenstabilen Sportsitze. Die veredelte Serienausstattung, die zur Rechtfertigung des Startpreises von 38.800 Euro unabdingbar ist, umfasst LED-Hauptscheinwerfer, Komfort-Zugang, Fahrmodus-Schalter, Edelstahl-Pedalerie, Heckspoiler, das Radio Mini Visual Boost und Lederlenkrad. Wer Mini Connected bestellt, bekommt den persönlichen Mobilitäts-Assistenten auf Online-Basis. Assistenz- und Komfortsysteme, die in reicher Zahl verfügbar und bei den Kunden wohlgelitten sind, können den Preis eines Mini JCW Countryman schnell in Richtung 50.000 Euro treiben.

Innenraum John Cooper Works Countryman

Dass der sportliche Landmann einiges an Fahrspaß zu bieten hat, steht außer Frage. Der Motor sorgt für zackigen Vortrieb, Fahrwerk und die direkt übersetzte Lenkung für agiles Handling und spürbar mehr Fahrdynamik als im herkömmlichen Countryman, was weniger von den Mehr-PS, als vom kernigen Drehmoment herrührt. Die Klappen-Abgasanlage steuert mit herzhaftem Sound das Ihre dazu bei, wobei man sich allerdings auch noch eine etwas aggressivere Klangkulisse vorstellen könnte. Schließlich hat John Cooper seine Wurzeln im Motorsport. Wer Spaß daran hat, kann bei gleichbleibender Geschwindigkeit die Tonhöhe der Drehzahl-Orgel mittels Schaltpaddel am Lenkrad vom Falsett bis in den sonoren Bass variieren. Unvermitteltes Lupfen des Gaspedals sorgt im Auspuff-Gesang für ein Sprötzel-Intermezzo.

Der Hersteller kann sich rühmen, trotz Zuwachs an Hubraum und Motorkraft den Verbrauch Mini-miert zu haben. Mit Automatik sollen 6,9 Liter/100 km möglich sein, mit Handschaltung ist es ein halber Liter mehr. Der unverkennbare Fortschritt der Leistungsdaten lässt allerdings die Frage nach dem Sinn des Unternehmens offen: Wer mehr Platz als im Normal-Mini, viel Power und Allradantrieb sucht, kann auch zum Clubman greifen. Der ist schneller, weil leichter, und kostet weniger. (ampnet/afb)

Technische Daten Mini John Cooper Works Countryman AT

Maße (Länge x Breite x Höhe in m): 4,30 x 1,82 x 1,56
Radstand (m): 2,67
Motor: Vier-Zylinder-Turbobenziner, 1.998 ccm, Direkteinspritzung
Leistung: 170 kW / 231 PS bei 5.000 U/min
Maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.450 – 4.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,5 s
Verbrauch (Schnitt nach EU-Norm): 6,9
Kohlendioxid pro Kilometer: 158 g (Euro 6)
Leergewicht (DIN)/ Zuladung: 1.555 kg / 595 kg
Gepäckraum: 450 – 1390 l
Bereifung: 225/50 R 18
Basispreis: 38.800 Euro

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  • Fahrbericht John Cooper Works Countryman: BMW
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